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Dienstag, 17. September 2019

Fall 66: Therapie der präsakralen Schwellung unter Xarelto


Diagnose:
Teilweise organisiertes präsakrales Hämatom unter oraler Antikoagulation

Procedere:
Laborchemisch fand sich ein Ausgangs Hb von 9,8 g/dl. Die orale Antikoagulation wurde abgesetzt und am Folgetag durch eine gewichtsadaptierte niedermolekulare Heparingabe substituiert. Das Hämatom blieb "stationär" und wurde nach 2 Tagen chirurgisch entlastet und drainiert. Die Wundheilung verlief primär. Eine einliegende Drainage wurde aufgrund der großen Wundhöhle verlängert belassen.

Fazit:
Dabigatran (Pradaxa®), Rivaroxaban (Xarelto®), Edoxaban (Lixiana®) und Apixaban (Eliquis®) zählen zu den nicht-Vitamin-K-antagonistischen oralen Antikoagulanzien (NOAK).

Eine unerwünschte Nebenwirkung von ihnen sind Blutungen. Obwohl statistisch anscheinend kein Unterschied in der Häufigkeit von Vit-K Antagonisten und Non Vit-K Antagonisten bestehen soll, zeichnet die klinische Erfahrung ein anderes Bild, denn hier sind es ausschließlich Blutungen unter Non Vit-K Antagonisten, die Anlass zur stationären Aufnahme geben. So entsteht der Eindruck, dass eine Blutungskomplikation in ihrer Schwere gravierend ist, wenn sie auftritt, und evtl deshalb häufiger im klinischen Alltag zu sehen ist.  Blutungen sind i.d.R. relevant und interventionspflichtig. Das betrifft aus chirurgischer Sicht insbesondere Blutungen mit diffuser Verteilung in die Weichteile, Abdomen oder gastrointestinal[i].

Die Therapie der akuten Blutung stellt den Kliniker vor das Problem, dass es bislang kein Antidot für den Faktor Xa Hemmer gab. Für Dabigatran kam erst 2015 das erste Antidot: Idarucizumab. Für die anderen o.g. Medikamente konnte man nur auf Gerinnungsfaktoren-Konzentrate zurückgreifen.
Seit dem 1. März 2019 jedoch hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA die Zulassung für das Apixaban- und Rivaroxaban-Antidot Andexanet alfa empfohlen. Es wird in der 2. Jahreshälfte 2019 unter dem Namen Aprol auf den Markt kommen. Für Edoxaban dagegen gibt es noch kein Antidot.





[i] https://www.webmd.com/drugs/2/drug-156265-1153/xarelto-oral/rivaroxaban-oral/details/list-sideeffects

Donnerstag, 8. August 2019

Fall 66: Die präsakrale Schwellung unter Xarelto


Mit dem RTW wird gegen 22.30 eine 86-jährige demente Heimbewohnerin vorgestellt. Bei ihr habe der Pflegedienst eine progrediente Schwellung über dem Sakrum bemerkt, die abgeklärt werden soll. Ein Traum wird ausdrücklich verneint, da die Patientin bettlägerig sei.

In der Anamnese besteht ein Vorhofflimmern, Diabetes II, Dekubiti an beiden Fersen und eine Demenz. Sie ist u.a. mit Xarelto medikamentös behandelt.

Körperlicher Befund:
86-jährige Patientin in altersentsprechendem AZ, schlank, Haut blass, warm, trocken. RR 110/70, HF 86/min
Schleimhäute blass.
Präsakral findet sich eine ca. 25x12 cm prall elastische, jedoch solide prominente Weichteilschwellung. Sie ist auf der Unterlage verschieblich. Der Hautmantel ist geschlossen und ohne lokale Entzündungszeichen.
Wirbelsäule und Becken ohne Druck oder Bewegungsschmerz.

Sonografie:

Es zeigt sich eine RF mit z.T. hypodensen und teils isoechogenen Anteilen in einem offensichtlich lokal begrenzten Areal.

Mittwoch, 5. Juni 2019

Radiusfraktur: Operation besser als der Gips?


Radiusfraktur: Operation besser als der Gips?

Die ideale Behandlung einer extraartikulären dislozierten Radiusfraktur wird kontrovers diskutiert. Mulders (2019) fand nun in seiner kontrollierten Studie, dass seine Patienten offenbar  von einer Operation mehr  profitieren als von einer Ruhigstellung per Gipsverband.

Die randomisiert-kontrollierte Multicenter-Studie untersuchte die Hypothese, dass das funktionelle Ergebnis nach einer operativen Versorgung nach einem Jahr besser ist als bei einer Gipsimmobilisation.

In die Studie wurden 92 Patienten im Alter zwischen 18 und 75 Jahren (median: 59 Jahre) eingeschlossen. 48 operiert wurden und 44 konservativ behandelt. Die operative Versorgung folgte einer offenen Reposition mit einer volaren Plattenosteosynthese. Letztere erfolgte im Median sechs Tage nach der Randomisierung und elf Tage nach dem Trauma. Endpunkt der Studie war das funktionelle Ergebnis nach einem Jahr. Als Kriterien diente der DASH-Score (Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand). Vergeben werden dabei maximal 100 Punkte, wobei kein Punkt keine Einschränkung bedeutet. Der Verlauf wurde nach einer, drei und sechs Wochen sowie drei, sechs und zwölf Monate dokumentiert. Insgesamt  konnten Ergebnisse von 46 bzw. 40 Patienten verwertet werden.


Dabei zeigte sich, dass die operierten Patienten zu allen Untersuchungszeitpunkten signifikant bessere DASH-Werte aufwiesen als die nicht operierten. Nach sechs Wochen lag der Wert median bei 22,5, bei den konservativ behandelten dagegen bei 50,4. Dieser Unterschied zeigte sich auch nach 6 Monaten mit enem DASH von  5,8 zu 15,8. Dies bestätigte sich auch nach zwölf Monaten (2,5 versus 9,2). Der Unterschied zeigte sich besonders in der Flexion und Extension im Handgelenk sowie eine Supination und der Griffstärke.

Komplikationen traten bei den konservativ behandelten Patienten häufiger auf. Dise bestanden vor allem im Repositionsverlust mit der Notwendigkeit der operativen Versorgung (28%) und einer Fehlverheilung der Fraktur (49%), die in 6 Fällen eine Korrekturosteotomie erforderte. 

Fazit: Die Kriterien für eine konservative oder operative Versorgung sind definiert. Aus der eigenen Erfahrung lassen sich die hohen Versagerquoten nicht bestätigen. Ich empfehle daher, sehr kritisch die Instabilitätskriterien zu prüfen und in Absprache mit dem Patienten die beste Therapieoption zu wählen. Eine pauschale Therapieempfhlung zur konservativen oder operativen Versorgung einer extraartikulären dislozierten Fraktur kann es nicht geben.



Literatur
Mulders MAM et al. Volar Plate Fixation Versus Plaster Immobilization in Acceptably Reduced Extra-Articular Distal Radial Fractures. A Multicenter Randomized Controlled Trial. J Bone Joint Surg Am 2019

Samstag, 16. März 2019

Orthesen nach degnerativen Wirbelsäulen OPs nutzlos


Orthesen ohne Nutzen nach Wirbelsäulen-OPs

Eingriffe bei degenerativen Veränderungen an der LWS werden häifig postoperativ mit einer Orthese supplementiert. Evidenzbasiert ist dies jedoch nicht.

Ob eine orthetische Versorgung nach der Operation an degenerativen LWS-Veränderungen sinnvoll ist, ist derzeit bei der bestehenden Sachlage umstritten. Es fehlt die Evidenz für eine Nutzen. Das trifft insbesondere für den Einsatzes nach Spondylodesen zu: Die Absicht, dass eine verminderte Bewegung die Fusion der Wirbelkörper günstig beeinflußt, kann in der randomisierten kontrollierten Studie nicht bestätigt werden. Als Ergebnis dieser Studie wird sogar von einem Korsett nach Versteifungsoperationen abgeraten. Dies gilt ebenso für die bislang angenommene schmerzlindernde Wirkung. Die Autoren sehen im Tragen von Orthesen die Begünstigung einer Angst- und Vermeidungshaltung mit negativen Auswirkungen auf das Bewegungsverhalten, die das postoperative outcome sogar verschlechtern können.

Eine Umfrage unter belgischen orthopädischen und Neurochirurgen zeigte dagegen, dass in 38% noch Orthesesn verodrnet wurden.  Dies erfolge am häufigsten nach Wirbelkörperfusionen (52% vs. 21%). 59% der Operateure gaben demnach an, zumindest nach einem der abgefragten Eingriffe ein Korsett in Betracht zu ziehen. Orthopädische Chirurgen überwogen dabei gegenüber den Neurochirurgen. Alter und Erfahrung hatte jedoch keinen Einfluss auf diese Entscheidung.

Am häufigsten wurde Lumbosakralorthesen (54%) verordnet, weniger Lumbalorthesen. Die Tragedauer betrug drei bis acht Wochen. Als Hauptgrund gaben 67% der Ärzte die postoperative Schmerzlinderung an. 42% glaubten an eine bessere Fusionsrate nach Spondylodesen.

Die Autoren folgerten, dass trotz fehlender Evidenz in der Literatur die Umsetzung in der klinische Praxis fehlt. Sie fordern, in Anbetracht des „Unsinns“ von postoperativen Korsetts nach LWS-Chirurgie mit degenerativer Pathologie Chirurgen zu ermutigen, ihre Verordnungspraxis zu ändern.




Literatur
Bogaert L et al. Postoperative bracing after lumbar surgery: a survey amongst spinal surgeons in Belgium. Eur Spine J 2018

Donnerstag, 10. Januar 2019

Zeichen von Gewalt gegen Ältere richtig deuten

Bisherige Untersuchungen über Gewalthandlungen an alten Patienten können wegen der großen Grauzone nur annähernd abgeschätzt werden. Es gibt kaum Angaben über Gewalthandlungen im häuslichen Bereich an alten Menschen und nur wenige über pflegebedürftige. 
Demnach werden im häuslichen Bereich 26 und 40% pflegebedürftigen alten Menschen innerhalb eines Jahres Opfer von Gewalthandlungen duurch Angehörigen.Im stationären pflegerischen Bereich äußern sich Gewaltphänomene als Einschränkung der Bewegungsfreiheit, Psychopharmakamissbrauch, Über-, Unter- und Fehlmedikation, Auftreten von Druckgeschwüren, Fehl-, Mangel- und Unterernährung oder Missbrauch einer rechtlichen Betreuung. Hier liegen die Einnschätzungen zur Gewalt bei 11 und 24%.
Kleinere Untersuchungen zeigen, dass sich 70% der Plegenden gegenüber Bewohnern schon einmal problematisch oder gewalttätig verhalten haben. Festgestellt wurde, dass nur bei ca. 54% eine rechtlich gültige Genehmigung vorlag. Bekannt ist auch der große Schwankungsbereich der Häufigkeit von Fixierungen in unterschiedlichen Institutionen.
Andererseits finden sich auch Angaben zu Übergriffen von alten Menschen gegenüber dem Pflegepersonal. Diese liegen bei 78% für verbale und bei 63% für körperliche Gewalt.
In der Klinik ist es für den Arzt entscheidend, die Anzeichen von Gewalt zu erkennen: 
- Rötungen, Schwellungen, Prellmarken 
- Hämatome unterschiedlichen Alters
- Verletzungen, Abschürfungen, Kratzer
- Ausgerissene Haare (Haarbüschel)
- Frakturen (unterschiedlichen Alters an mehreren Körperstellen)
- Blutungen unklarer Genese
- Druckgeschwüre
- Brandwunden
- Flüssigkeitsmangel und Untergewicht
- Verletzungen im Intimbereich
Psychische Anzeichen:
- Angst, Schreckhaftigkeit, Misstrauen, Verzweiflung
- Apathie, Niedergeschlagenheit
- Stimmungsveränderungen, emotionaler Rückzug, depressive Symptomatik
- Kommunikationsstörung
- Unruhe, Schlaflosigkeit
- Suizidgedanken
Weitere Anzeichen:
- zu häufige und zu lang anhaltende Fixierung
- Ungewöhnliche Medikation („innere Fixierung“)
- Bewegungsmangel, Reizarmut
- ungepflegtes verwahrlostes Äußeres
- Schilderung des Betroffenen oder von Dritten
Präventive Maßnahmen und Interventionen sollten mehrschichtig sein und den Aspekt „Hilfe vor Strafe“ betonen. Zudem sollten im institutionellen Bereich auch strukturelle gewaltfördernde Gegebenheiten verbessert werden.
In der akuten Situation helfen folgende Maßnahmen:
  • Angaben der betroffenen Person ernstnehmen und abklären,
  • vertrauensvolles Klima und deeskalierende Maßnahmen schaffen,
  • Betroffene sorgfältig untersuchen,
  • vor weiteren destruktiven Maßnahmen schützen,
  • weitere involvierte Personen zur Klärung einbeziehen,
  • bagatellisierende Argumente kritisch hinterfragen,
  • mit den Beteiligten nach Alternativen suchen und diese initiieren.
Gewalteinwirkungen haben einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit und Lebensqualität von alten Patienten. Für den Hausarzt als wichtige Vertrauensperson ist es daher von besonderer Bedeutung, Hinweise auf drohende oder schon erfolgte Gewalteinwirkungen wahrzunehmen und zu handeln.

Donnerstag, 1. November 2018

Meniskusrisse auch ohne Operation behandelbar

Die partielle Meniskektomie ist eine häufig am Knie durchgeführte Operation. Bei symptomatischen Patienten ohne Blockaden sollte sie jedoch nicht mehr automatisch die Therapie der Wahl sein. In einer randomisierten Studie mit zweijähriger Nachbeobachtung stellt sich Physiotherapie  nämlich gegenüber dem minimalinvasiven Eingriff als nicht unterlegen dar.

Patienten, die im MRT einen nichtobstruktiven Meniskusriss aufweisen, sollten demnach zunächst mit einer achtwöchigen Physiotherapie behandelt werden. Die Ergebnisse sind mit der OP vergleichbar. Das zeigte nun einerrandomisierte Studie mit insgesamt 321 Patienten von neun niederländischen Kliniken.

Ähnliche Ergebnisse wiesen bereits zuvor sechs randomisierte klinische Studien nach. Im Unterschied zur vorliegenden Studie waren diese als Überlegenheitsstudien (der Meniskusteilresektion) angelegt gewesen. Sie hatten jedoch ihre Schwächen.

In der jetzigen ESCAPE-Studie wurden die Teilnehmer über 24 Monate nachbeobachtet. Ihr Alter lag bei Studienbeginn zwischen 45 und 70 Jahre und hatten im MRT alle 
  • einen nicht dislozierten Meniskusriss 
  • keine Blockaden, 
  • allenfalls eine mittelgradige Arthrose (maximal Grad 3) und 
  • keine Vor-Op am betroffenen Knie.
  • Zwischen traumatischen und degenerativen Meniskusrissen wurde nicht unterschieden.
159 Patienten wurden arthroskopisch teilreseziert und 162 einem Bewegungsprogramm zugelost. Die Teilnehmer der ersten Gruppe wurden zu häuslichen Übungen angeleitet. Die Physiotherapiegruppe bekam postoperativ ein achtwöchiges strukturiertes Bewegungsprogramm mit insgesamt 16 jeweils halbstündigen Sitzungen.

Als primären Studienendpunkt hatten die Autoren die Verbesserung der Kniefunktion im IKDC-(International Knee Documentation Committee-)Score gewählt. 

In der Arthroskopiegruppe verbesserten sich IKDC Werte auf dem 100-Punkte-Score über zwei Jahre um 26,2 Punkte, unter Physiotherapie um 20,4 Punkte. Der Unterschied von 3,6 Punkten zwischen den Gruppen zeigte, dass das eine dem anderen Verfahren nicht unterlegen war.
Das Aktivitätsniveau auf der Tegner Activity Scale verbesserte sich in beiden Gruppen kaum relevant. Allerdings nahm der Knieschmerz unter Belastung auf der VAS-Skala in der Op.-Gruppe deutlicher ab, nämlich von 61,1 mm auf 19,6 mm gegenüber einer Reduktion von 59,3 mm auf 25,5 mm unter Physiotherapie. Der Arthroseschweregrad stieg in beiden Gruppen geringfügig an, von 1,3 auf 1,6 bzw. 1,5 Punkte auf der Kellgren-Lawrence-Skala.

Besonders adipöse Patienten schienen von dem arthroskopischen Eingriff zu profitieren: Auf der IKDC-Skala lagen ihre Ergebnisse zwei Jahre nach dem Eingriff im Schnitt um 10,7 Punkte höher als bei den nicht operierten adipösen Patienten. Der Unterschied in den anderen Gewichtsklassen blieb dagegen nicht signifikant. Keine Bedeutung schienen die Lokalisation des Meniskusrisses oder das Vorhandensein mechanischer Beschwerden zu haben.
Komplikationen, z.B. venöse Thromboembolien oder die Notwendigkeit eines Revisionseingriffes waren in beiden Gruppen nahezu identisch. Andere Probleme, z.B. reaktive Arthritiden oder Infektionen am Kniegelenk traten nach Arthroskopie in neun Fällen auf, nach Physiotherapie in vier Fällen. Immerhin 47 Patienten aus der ursprünglichen Physiotherapiegruppe (29%) unterzogen sich noch innerhalb der zwei Nachbeobachtungsjahre einer Meniskus-Op. 

Zusammenfassend scheint es so, als ob Patienten mit nur leichter Kniearthrose und nichtobstruktivem Meniskusriss nicht unbedingt von einer Meniskektomie profitieren. Diese könnte man initial auch eine Bewegungstherapie als Alternative anbieten. Ein nach Jazrawi  et al. völlig anderes klinisches Problem sind dagegen dislozierte, obstruktive Meniskusrisse vom Korbhenkel-Typ. Diese weisen nach arthroskopisch partieller Meniskektomie nach derzeitiger Studienlage wohl auch bei leichter Arthrose die besseren Ergebnisse auf.



Literatur
Van de Graaf VA et al. Effect of Early Surgery vs Physical Therapy on Knee Function Among Patients With Nonobstructive Meniscal Tears. The ESCAPE Randomized Clinical Trial. JAMA 2018; 320 (13): 1328–1337; doi: 10.1001/jama.2018.13308

Montag, 1. Oktober 2018

Ultraschall in der Erkennung kindlicher Unterarmfrakturen

Die Sonografie in der Ereknnung von Weichteilerkrankungen ist etabliert. In einer Studie, die jetzt im EC Orthopaedics veröffentlich wurde, weredn Fälle vorgestellt, bei denen die Diagnose von Frakturen sicher durch die Songrafie gestllt werden konnte. Daüberhinaus gelang es auch, Frakturen zu visualisieren, die bei der Betrachtung des konventionellen Röntgenbildes der Aufmerksamkeit des Behandlers entgangen wären.

Den Text lesen Sie unter:

https://www.ecronicon.com/ecor/pdf/ECOR-09-00357.pdf

Montag, 20. August 2018

Impingement der Schulter: Bisherige OP vor dem Aus?

Die subakromiale Dekompression wird beim Impingement-Syndrom der Schulter vorgenommen und ist ein durchaus häufiger Eingriff. Die neue CSAW-Studie jedoch zeigt, dass der Nutzen nicht größer ist als bei einer einfachen Gelenkspiegelung ohne knöchernes Débridement.

Ursachen für das Impingement-Syndrom der Schulter sind mechanische, funktionelle oder denerative. Die typischen klinischen Zeichen bestehen aus subakromiale Schmerzen beim Heben des Arms über die Horizontale.

Regelhaft besteht die Behandlung darin, den mechanischen Engpass zwischen Humeruskopf und dem darüber liegenden Akromion zu beseitigen. Dazu nutzt man die arthroskpoische subakromialen Dekompression mit der Resektion der Bursa subacromialis einem Abtragen von Knochenmaterial an der Unterseite des Akromions.

Der britischen CSAW-Studie („Can Shoulder Arthroscopy Work?“ Beard et al. Lancet 2017; online 20. November) zufolge bestätigt die Studie aus Finnland, dass das knöcherne Débridement der einfachen Gelenkspiegelung nicht überlegen ist.
Deutsche Fachgesellschaften jedoch kritisieren die Einschlusskriterien. Demnach wurden „Patienten mit jeder Form eines subakromialen Schmerzsyndroms“ eingeschlossen, ohne dabei die Relevanz klinischer und radiologischer Befunde zu würdigen. Das ungezielte einschliessen der Patienten habe die definierte Indikation zur Dekompression mit Débridement und Bursaresektion vernachlässigt. Denn diese sei nur bei Nachweis eines „nosologisch definierten, mechanisch bedingten subakromialen Impingement-Syndroms“ indiziert.

Die FIMPACT-Studie hat nun die Einschlusskriterien präzisiert: Die in der Studie eingeschlossenen Patienten mussten konkrete klinische Befunde erfüllen, die „konsistent mit einem Impingement-Syndrom der Schulter“ waren. azu zählten Abduktion und „schmerzhafter Bogen“ sowie der positive Impingement-Test mit subakromialer Injektion eines Lokalanästhetikums. Ausgeschlossen waren Patienten mit operationsbedürftigem Rotatorenmanschettenruptur (Grad III). Schmerzen mussten mindestens seit drei Monaten bestehen und nicht auf konservative Maßnahmen ansprechen, z.B. Physiotherapie, NSAR und Kortikosteroidinjektionen.

Die arthroskopische subakromiale Dekompression (ASD) wurde mit einer diagnostischen Arthroskopie verglichen. Als Endpunkt diente der subakromiale Schulterschmerz, der nachts sowie beim Heben des Arms über die Horizontale auftritt. Schmerzen wurden mit der visuellen Analogskala (VAS) gemessen.

Zwei Jahre nach dem Eingriff hatten sich die Symptome in beiden Gruppen im gleichen Maß verbessert, und zwar sowohl in Ruhe als auch in Bewegung. Der vorab festgelegte Schwellenwert für einen „klinisch bedeutsamen Unterschied“ wurde jedoch nicht erreicht.

Den Autoren zufolge beschreibt die Studie ein „Best-case-Szenario“. Die subakromiale Dekompression habe trotz strenger Selektion inbesondere nicht bei den Patienten funktioniert, die nach klinischen Kriterien mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem Eingriff profitiert hätten. Die Autoren folgerten auch, dass es daher keinen Grund gäbe anzunehmen, dass die Methode unter weniger optimalen Bedingungen besser funktioniere.

Die Deutsche Vereinigung für Schulter- und Ellbogenchirurgie (DVSE) erarbeitet aktuell eine Leitlinie zum Vorgehen bei subakromialen Schulterschmerzen. Sie soll aufzeigen, mit welchen Untersuchungen sich der Verdacht auf ein mechanisches Impingement erhärten lässt.

Sonntag, 3. Juni 2018

Opioide bei Rückenschmerz sinnlos

Opioide bei Rücken- oder Arthroseschmerz sinnlos?
Patienten mit mäßigen bis schweren Rücken oder Arthroseschmerzen profitieren nicht unbedingt von Opioiden. Das meint Erin Krebs von der University of Minnesota Medical School.
Die deutsche S3-Leitlinie „Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen“ ist bislang unschlüssig, ob Patienten mit schweren chronischen muskuloskeletalen Schmerzen langzeitig mit Opioiden geholfen ist.Demnach können sie eingestzt werden, müssen aber nicht zwangsläufig. Demzufolge „können“ opioidhaltige Analgetika „als eine Therapieoption für eine Dauer von 4–12 Wochen angeboten werden“. Bei chronische n Rückenschmerzen empfiehlt sich die Überprüfung der Medikation nach spätestens drei Monaten. Bei fehlendem Nutzen mit Ausbleiben einer Schmerz- bzw. Funktionsverbesserung gilt die weitere Opioidgabe als kontraindiziert.

Krebs et al heben in ihrer Arbeit untersucht, wie sich eine Therapiestrategie mit und ohne Opioide über ein Jahr hinweg auf das Befinden von Patienten mit chronischen Rücken- und Arthroseschmerzen in Knie- oder Hüftgelenk auswirkt. Bei der Auswertung standen 234 Teilnehmer zur Verfügung. Die Hälfte von ihnen erhielt Opioide in einem dreistufigen Schema (1: Morphin, Hydrocodon/Paracetamol oder Oxycodon, 2: Morphin oder Oxycodon in retardierter Galenik; 3: transdermales Fentanyl) oder eine dreigestufte Nichtopioidmedikation (1: Paracetamol und NSAR; 2: adjuvant orales Nortriptylin, Amitriptylin oder Gabapentin sowie topische Analgetika wie Capsaicin oder Lidocain; 3: Pregabalin, Duloxetin oder Tramadol.

Weniger Schmerzen unter Nichtopioiden

Nach einem Jahr fand sich bei den Teilnehmern mit Opioidmedikation kein wesentlicher Vorteil. Sie profitierten weder von einer verbesserten Funktion in ihren Alltagsaktivitäten noch von weniger Schmerzen. Im Gegenteil: Auf der visuellen Analogscala gaben sie signifikant mehr Schmerzen an als in der Nichtopioidgruppe. In der Nichtopioidgruppe verbesserten sich die Beschwerden um mindestens 30% gegenüber dem Ausgangswert und die Funktionalität um 61% (59% in der Opioidgruppe). Der Unterschied war statistisch jedoch nicht signifikant. Schmerzen konnten bei 54% der Patienten unter Nichtopioiden und 41% der Patienten unter Opioiden erzielt werden. Der Unterschied lag an der Untergrenze der Signifikanz.

Allerdings fiel eine medikationsbedingte stationäre Aufenthalte oder Besuche in der Notaufnahme sowie Stürze signifikant häufiger unter einer Opioidmedikation auf als unter Nichtopioiden. Bei den Opioid enigestellten Patienten ereigneten sich im Durchschnitt zwei solcher Ereignisse verglichen mit einem Zwischenfall unter Nichtopioiden (p = 0,03). Nur hinsichtlich einer Angstsymptomatik waren Opioide leicht überlegen.

Fazit: Opioide zeigten bei Patienten mit chronischen Rücken- bzw. arthrotischen Knie- oder Hüftgelenksschmerzen keinerlei Vorteil gegenüber einer nichtopioidalen Medikation, der das höhere Schadensrisiko aufwiegen könnte.

Dienstag, 8. Mai 2018

Potenter als Opioide? Ibu mit Paracetamol im Test

Ibuprofen plus Paracetamol so wirksam wie ein Opioid

Notfallpatienten mit akuten Gelenkschmerzen in Armen oder Beinen hilft eine Kombination aus Ibuprofen und Paracetamol genauso gut wie die Gabe von Opioidanalgetika.

An einer Studie des Albany Medical College waren insgesamt 416 Patienten beteiligt, die sich mit starken akuten Extremitätenschmerzen von der Schulter oder der Hüfte abwärts in einer Notfallambulanz vorgestellt hatten. Die Schmerzintensität wurde dabei im Mittel mit 8,7 VAS angegeben.

Untersucht werden sollte die Wirksamkeit von vier Analgetikakombinationen. Die Zuteilungerfolgte radnomisiert in folgende Gruppen: 400 mg Ibuprofen plus 1000 mg Paracetamol; 5 mg Oxycodon plus 325 mg Paracetamol; 5 mg Hydrocodon plus 300 mg Paracetamol; und 30 mg Codein plus 300 mg Paracetamol. Es konnten die Daten von 411 Patienten ausgewertet werden.

Für die Ibuprofen-Paracetamol-Kombination sank der Wert auf der Schmerzskala nach zwei Stunden im Schnitt um 4,3 Punkte. Bei Oxycodon und Paracetamol war dies um 4,4 Punkte der Fall. Hydocodon und Paracetamol erreichten 3,5 und Codein plus Paracetamol 3,9 Punkte Verbesserung. Die Differenzen waren jedoch statistisch nicht signifikant oder klinisch bedeutsam. Angaben zu den Nebenwirkungen fehlten bei der Studie. Weitere Studien müssten zudem noch die Dosierungen untersuchen, wurde berichtet.

Die Studie spiegelt den allgemeine Trend wieder, vermehrt Opioide zu verschreiben, nachdem die NSAR im Bezug auf die Nebenwirkungen in die Kritik geraten sind. Aber auch bei Opioiden bestehen Risiken. In den USA sind seit 2000 rund eine halbe Million Menschen an einer Drogenüberdosis gestorben, hauptsächlich durch Opioide. Das sind so viele Menschen wie die Zahl der in beiden Weltkriegen insgesamt gefallenen US-Soldaten. Allein 2015 wurden mehr als 52.000 Drogentote gezählt, in mehr als 33.000 Fällen in der Folge von Opioiden. Diese Zahl übertrifft sogar noch jene, die durch Suizid, Mord, Schusswaffengebrauch oder Verkehrsunfälle Gestorbenen.

Viele Patienten erhalten ihr erstes Opioidrezept im Krankenhaus. Schätzungsweise über 40% der Opioid-naiven Schmerzpatienten erhalten es in einer Ambulanz in den USA nahezu kritiklos sogar bei Zahnschmerzen. Mehr als 70% davon lösen das Rezept auch ein. Und obwohl die Grunderkrankung normalerweise nicht zu chronischen Schmerzen führt, werden Opioide auch noch ein Jahr später eingenommen. Eine respektvollere und kritischere Nutzenabwägung wäre also erforderlich.



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Literatur:
Chang AK et al. Effect of a Single Dose of Oral Opioid and Nonopioid Analgesics on Acute Extremity Pain in the Emergency Department: A Randomized Clinical Trial. JAMA 2017; 318(17): 1661–1667
https://doi.org/10.1001/jama.2017.16190



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